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Elektrostatische Ölpflege:
(Norbert Becker)

Daß aus guter Ölpflege eine Vielzahl von Vorteilen beim Betrieb geschmierter oder hydraulischer Anlagen resultieren ist wohl unstrittig; darüber an dieser Stelle noch Worte zu verlieren, wäre überflüssig. Aber: Zum Thema Ölpflege gibt es sehr viele unterschiedliche Meinungen und Mißverständnisse, und wohl kaum ein anderes Thema ruft bei den Anwendern der Anlagen mehr Unsicherheit hervor als dieses. Nachfolgend einige wichtige Aspekte dazu.

Die Filterbranche stellt überwiegend fest, daß noch geringere Filterfeinheiten (<1 bis 3 µm) in der Praxis mittelfristig nicht eingesetzt werden sollen, können oder unwirtschaftlich sind [1]. Obwohl noch kleinere Feinheiten technisch möglich sind, hätten solche Filter eine zu geringe Schmutzaufnahmefähigkeit, bzw. zu hohen Druckverlust. Man stellt weiterhin fest, daß schnelle Filterverstopfung nicht durch die "normalen" Schmutzpartikeln wie Staub oder Abrieb, sondern durch unlösliche Ölbestandteile hervorgerufen werden [1]. Es ist bekannt, daß Verschleiß und die meisten Störungen im Zusammenspiel von unlöslichen Oxidationsprodukten und dem normalen Schmutz auftreten, obwohl bereits Filter mit sehr kleinen Porengrößen eingesetzt werden. Die aktuelle Normung über Ölreinheiten (ISO 4406, NAS 1638) berücksichtigen nur Partikeln über 5µm (2µm). Kleinere Partikeln oder gar klebrige Harze werden darin und in den Betrachtungen über Verschleiß oder Störungen meist gar nicht berücksichtigt. Untersuchungen haben aber bestätigt, daß in gebrauchten Ölen der Anteil von kleineren Partikeln und unlöslichen Bestandteilen wesentlich größer sein kann als der Anteil des "normalen" Schmutzes [2]. Es liegt daher auf der Hand, daß man den Kleinstschmutz in die Betrachtungen mit einbeziehen sollte. Dieser ist aber mit mechanischen Filtern nicht wirkungsvoll abzuscheiden, und irgendwann ist dann der Ölwechsel notwendig. Bemühungen durch weiterentwickelte Öle bringen zwar durchaus nennenswerte Erfolge, können aber das ursächliche Problem nicht ausschließen. Durch die Verwendung von Ölen mit detergierenden, dispergierenden Additiven kann zwar ein Teil der Probleme vermindert werden, sie bieten aber auch keine grundlegende Lösung, zumal Filterwirkungsgrade dadurch vermindert werden, und diese speziellen Additive sogar einen negativen Effekt auf die Oxidation haben können [3].

Daß Verschleiß und Störungen nach wie vor ein Problem sind, zeigen die immer höher werdenden Anforderungen von Komponenten-, Maschinen- und Anlagenbauern. Da aber dann hinsichtlich der Abscheidung von Ölverschmutzungen nur von mechanischen Filtern und ISO/NAS Reinheitsklassen geredet wird, sollte man sich fragen, ob man sich nicht in einer Sackgasse befindet und man das Problem nicht auf andere Weise lösen könnte. Offensichtlich sind es die ölunlöslichen Bestandteile, welche den mechanischen Filtern Grenzen setzen. Also muß man die ölunlöslichen Bestandteile aus den Ölen entfernen bzw. deren Entstehung verhindern. Eine wirkungsvolle Methode dazu ist die elektrostatische Ölpflege. Diese Technik ist in der Lage, alle unlöslichen Bestandteile sowie den normalen Schmutz abzuscheiden und so das Problem an der Wurzel zu packen (siehe Grafik). Gelegentlich auftauchende Argumente gegen die elektrostatische Reinigung, wie angebliche Additivabscheidung, zu geringe Leistung oder "zu teuer" sind nicht haltbar und resultieren aus der Unkenntnis der Zusammenhänge. Möglich sind permanente Installationen sowie mobile Anwendungen.

Grafik: Righini So funktioniert´s: Das Öl durchströmt mehrere Elektrodenpaare mit einer Potentialdifferenz von etwa 10 kV. Zwischen den Elektroden sind gefaltete Zellstoffbahnen (dielektrisches Medium) eingelegt, -sogenannte Kollektoren-, worauf sich die Teilchen infolge elektrostatischer Aufladung absetzen. Dieses Kollektorpaket ist leicht auszuwechseln, die Schmutzaufnahmefähigkeit gegenüber einem Feinfilter beträchtlich höher und eine Verstopfung ausgeschlossen. Die Geräte arbeiten ausschließlich im Nebenstrom.




Literatur:
[1] Konstruktion & Engineering 2/98, Seite 18
[2] Sasaki, A. et al, " A Study of Hydraulik Valve Problems", Lubrication Engineering, 45,3 pp. 140-146
[3] MacGraw-Hil: Standard Handbook of Lubrication Engineering, Ch. 14-8

Grafik: Righini




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